
Gruppenfoto der Teilnehmenden
Vom 17. bis 18. Oktober 2026 fand an der Sichuan International Studies University das 4. Humboldt-Tag-Symposium zum deutsch-chinesischen Wissenschaftsaustausch statt. Unter dem Titel „Natur, Kultur und Leben: Alexander von Humboldts Erdsystem“ wurde die Tagung gemeinsam vom Zentrum für Deutschland-studien, der Fakultät für Germanistik und dem Institut für Regional- und Länderstudien der Sichuan International Studies University sowie dem Humboldt Zentrum für Transdisziplinäre Studien der Hunan Normal University veranstaltet. Im Mittelpunkt der Tagung standen intensive Diskussionen über Humboldts Natur- und Kulturverständnis, transregionale Forschung, Wissenschaftsdiplomatie sowie den deutsch-chinesischen Wissenschaftsaustausch. Mehr als 30 Expertinnen und Experten aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen im In- und Ausland, darunter die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, die Peking-Universität, die Beijing Foreign Studies University, die Sun-Yat-sen-Universität, die City University of Hong Kong und die Hunan Normal University, kamen in Chongqing zusammen, um die historische Bedeutung und die Aktualität von Humboldts Denken gemeinsam zu erörtern.

Professor Liao Jun leitet die Eröffnungszeremonie
Am Vormittag des 17. Oktober wurde das Symposium offiziell eröffnet. Die Eröffnungszeremonie wurde von Professor Liao Jun, Dekan der Fakultät für Germanistik der Sichuan International Studies University, geleitet. Professor Hu Anjiang, Vizepräsident der Sichuan International Studies University, begrüßte in seiner Ansprache die teilnehmenden Expertinnen und Experten. Er betonte den ausgeprägt interdisziplinären Charakter der Humboldt-Forschung, die wertvolle Impulse für den Dialog zwischen Naturwissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften, für das gegenseitige Verständnis unterschiedlicher Kulturen und für die zeitgenössische Regional- und Länderforschung bieten könne. Darüber hinaus erklärte er, dass die Universität den internationalen wissenschaftlichen Austausch und die interdisziplinäre Zusammenarbeit weiterhin fördern und Plattformen für den deutsch-chinesischen Wissenschaftsdialog sowie für die Forschung in verwandten Bereichen schaffen werde. Anschließend sprach Professor Ottmar Ette, Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Direktor des Humboldt Zentrum für Transdisziplinäre Studien an der Hunan Normal University. Er bezeichnete die Ausrichtung der Humboldt-Tag-Veranstaltung an der Sichuan International Studies University als einen Meilenstein. Sie markiere, dass sich die Humboldt-Forschung von Changsha aus schrittweise landesweit ausbreite und in eine neue Entwicklungsphase eintrete.

Vizepräsident (SISU) Hu Anjiang hält die Begrüßungsansprache

Professor Ottmar Ette hält eine Ansprache
In der von Professor Feng Yalin moderierten Keynote-Sitzung beleuchteten die teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Humboldts Denken aus unterschiedlichen Perspektiven. Professor Ette untersuchte, wie Humboldt Natur und Kultur weltweit miteinander verknüpfte, und erläuterte den Zusammenhang zwischen seinem Denken und der transregionalen Forschung. Professor Li Xuetao verglich das chinesische Werk Zhiwu Mingshi Tukao (eine illustrierte Studie zur Bestimmung von Pflanzen anhand ihrer Namen und Merkmale) mit europäischen Pflanzenatlanten und zeigte auf, wie unterschiedliche Kulturen die Natur verstehen und darstellen. Professor Wang Shizhou erläuterte die grundlegenden Berührungspunkte zwischen Humboldts weitreichendem Weltbild und der Idee einer Gemeinschaft mit einer geteilten Zukunft der Menschheit. Dr. Su Jing stellte Humboldt als Wegbereiter der Wissenschaftsdiplomatie vor und arbeitete die Impulse heraus, die sein Denken und Handeln für die heutige Diplomatie bieten. Insgesamt verdeutlichten die Vorträge den Facettenreichtum von Humboldts Denken aus der Perspektive der globalen Wissenschaft, des Wissensaustauschs, des Kulturvergleichs und der Wissenschaftsdiplomatie.

Professor Feng Yalin moderiert die Sitzung

Professor Ottmar Ette hält einen Vortrag

Professor Li Xuetao hält einen Vortrag

Professor Li Daxue moderiert die Sitzung

Professor Wang Shizhou hält einen Vortrag

Su Jing hält einen Vortrag
In den anschließenden Vorträgen untersuchte Professor Carsten Rohde Humboldts Kritik an Deutungsmustern, die Natur und Gesellschaft als binären Gegensatz darstellen. Professor Ren Haiyan verglich Humboldts Reiseberichte mit den Reisetagebüchern des Xu Xiake und stellte die ganzheitlichen Wissensbilder der chinesischen und der westlichen Tradition einander gegenüber. Dr. Liu Yang erläuterte anhand von Kosmos Humboldts wissenschaftlichen Ansatz, die Natur durch empirische Beobachtung und Überprüfung als zusammenhängendes Ganzes zu erfassen, sowie sein Streben nach Einheit in der Vielfalt. Dr. Tobias Kraft analysierte die Bedeutung von Humboldts Zentralasienexpedition für die vergleichende Wissenschaft in Eurasien. Die außerordentliche Professorin Feng Gequn beleuchtete aus geografischer Perspektive Humboldts Naturbild als ein zugleich wissenschaftliches und ästhetisches Modell. Dr. Luo Fang untersuchte, wie geografische Quellen aus dem alten China in Humboldts interkulturelle Konstruktion geografischen Wissens einflossen. Ausgehend von praktischen Erfahrungen erörterte Zhang Xiaojin die Anwendung von Humboldts ganzheitlichem Denken in der populärwissenschaftlichen Naturvermittlung. Die Vorträge berücksichtigten sowohl den historischen Kontext von Humboldts Denken als auch dessen Anregungspotenzial für die heutige Wissenschaftskommunikation, das ökologische Bewusstsein und die interkulturelle Forschung.

Associate Professor Tang Meng moderiert die Sitzung

Professor Carsten Rohde hält einen Vortrag

Professor Ren Haiyan hält einen Vortrag

Liu Yang hält einen Vortrag

Professor Ren Haiyan moderiert die Sitzung

Tobias Kraft hält einen Vortrag

Associate Professor Feng Gequn hält einen Vortrag

Zhang Xiaojin hält einen Vortrag

Luo Fang hält einen Vortrag
Am Vormittag des 18. Oktober wurden die thematischen Vorträge fortgesetzt. Professor Li Daxue untersuchte den Symbiosegedanken in Humboldts Werken und erläuterte dessen Reflexion und Kritik am Eurozentrismus. Der Doktorand Chen Gaole zeigte auf, wie lokales naturkundliches Wissen aus China Humboldt dabei unterstützte, bestehende europäische geografische Hypothesen zu überprüfen und zu korrigieren. Der Doktorand Long Qiyu untersuchte anhand von Texten zum Vulkan Pichincha den Zusammenhang zwischen räumlicher Mobilität und Wissenszirkulation in Humboldts Werken. Dabei verdeutlichte er, wie Wissen im Zuge seiner Verbreitung über geografische Grenzen hinweg kontinuierlich aktualisiert und neu konstruiert wird.

Associate Professor Feng Yingyi moderiert die Sitzung

Professor Li Daxue hält einen Vortrag

Chen Gaole hält einen Vortrag

Long Qiyu hält einen Vortrag
Im Rahmen des Symposiums fand zudem ein Gespräch zur chinesischen Übersetzung von Professor Ettes Werk TransArea: Eine literarische Geschichte der Globalisierung statt. Die von Professor Feng Yalin von der Sichuan International Studies University moderierte Gesprächsrunde brachte Professor Ette, Professor Ren Haiyan und Gan Huanhuan, Lektorin beim Verlag Nanjing University Press, zusammen. Im Mittelpunkt standen die zentralen Gedanken des Buches, seine transregionale Forschungsperspektive sowie der Übersetzungs- und Publikationsprozess. Durch die Verbindung wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit praktischen Erfahrungen aus der Übersetzungsarbeit trug die Gesprächsrunde dazu bei, die Rezeption und Diskussion der Humboldt-Forschung und der transregionalen Forschung im chinesischsprachigen Wissenschaftskontext weiter zu fördern.


Gesprächsrunde

Professor Li Daxue hält die abschließenden Worte
Die Abschlussveranstaltung wurde mit einem zusammenfassenden Schlusswort von Professor Li Daxue beendet. Das Symposium brachte zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus China und Deutschland zusammen, die sich aus interdisziplinärer Perspektive mit Humboldts Natur- und Kulturverständnis sowie seinem transregionalen Denken auseinandersetzten. Es vertiefte die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Zentrum für Deutschlandstudien, der Fakultät für Germanistik und dem Institut für Regional- und Länderstudien der Sichuan International Studies University und Humboldt-Forschungseinrichtungen im Ausland. Zugleich bot es eine Plattform für den Austausch in der Deutschlandforschung, der Regional- und Länderforschung sowie für die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Die vom Symposium vertretenen Leitgedanken des ganzheitlichen und transregionalen Denkens sowie des gegenseitigen Lernens zwischen den Zivilisationen tragen dazu bei, die Aktualität von Humboldts Denken zu erschließen. Darüber hinaus geben sie neue Impulse für den deutsch-chinesischen Wissenschaftsaustausch, die Auseinandersetzung mit globalen Herausforderungen und den wechselseitigen Erkenntnisgewinn aus unterschiedlichen Wissenstraditionen.
Quelle: https://mp.weixin.qq.com/s/m-ZjyRBvSGe5AGNzf_VakQ